Interview mit dem THW-Präsidenten

Bonn. Albrecht Broemme hat vor 100 Tagen den Posten des THW-Präsidenten übernommen. In seine Amtszeit fallen Ereignisse wie der Einsatz während der WM, die Unterstützung der Deutschen Botschaft auf Zypern, die Gründung des neuen Ortsverbandes Gotha und das Bundesjugendlager in Wismar. Für eine kurze Bilanz stellte sich Broemme den Fragen der thw.de-Redaktion.

 

Welche Ihrer Vorstellungen konnten Sie seit Ihrem Amtsantritt verwirklichen?

 

Albrecht Broemme: Am Anfang stehen immer das Kennen lernen und das Einarbeiten in die neue Aufgabe. Mich haben daher vorrangig drei Fragen beschäftigt: Welches sind die Sorgen und Nöte im THW? Was denken die Helfer? Wie sind die Rahmenbedingungen? Die Fußballweltmeisterschaft hat mir dabei die Möglichkeit gegeben, mich mit dem THW vertraut zu machen. Bei meinen Besuchen der Bereitstellungsräume und bisher 14 Ortsverbänden habe ich gesehen, dass im THW hochmotivierte Helferinnen und Helfer sind. Sie sorgen in Kooperation mit der Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen ausgezeichnet für die Sicherheit in Deutschland. Mein Anliegen, innerhalb des THW vertrauensvoll und konstruktiv miteinander umzugehen, fiel beim THW auf fruchtbaren Boden. Bei allen Innenministern und Innensenatoren der Länder stelle ich mich als neuer THW-Präsident vor und spreche mit ihnen über die Einbindung des THW in die Katastrophenschutzstrukturen der Länder. Das Ergebnis ist durchweg positiv: Die Länder sehen im THW einen wichtigen und zuverlässigen Partner.

 

Was ist Ihnen bisher besonders im Gedächtnis geblieben?

 

Broemme: Seit meinem Amtsantritt werde ich fast täglich mit beeindruckenden Tatsachen konfrontiert. Besonders in meiner Erinnerung haften geblieben sind dabei die Leistungen der ehrenamtlichen Helfer sowie der Hauptamtlichen während der WM – mit welcher Begeisterung und welchem Engagement sie an Aufgaben herangehen.

Ein weiteres besonderes Ereignis war die Gründung des Ortsverbandes Gotha. Zum ersten Mal war ich bei einer THW-Gründungsfeier dabei und habe gesehen, mit wie viel Leidenschaft die Menschen den Aufbau eines Ortsverbandes vorantrieben. Die Helfer stecken sehr viel Herzblut in diese Arbeit und erhalten von allen Seiten Unterstützung – sei es in der Ausbildung, der Struktur eines Ortsverbandes oder dem Aufbau einer Jugendgruppe. So etwas zeigt immer wieder, dass Teamgeist und Kameradschaft im THW eine zentrale Stellung einnehmen. Eine wichtige Unterstützung erfährt das THW in vielen Bereichen durch die Helfervereinigung, wofür ich sehr dankbar bin. Mit großer Freude habe ich auch die Zusammenarbeit mit der DLRG bei Auslandseinsätzen „besiegelt“ – eine ideale Ergänzung der strategischen Allianz mit der JUH sowie der Zusammenarbeit mit dem DRK und natürlich den Feuerwehren. Wenn ich dies alles zusammen nehme, kann ich Stolz darauf sein, Präsident des THW zu sein.

 

Wie sehen Sie die finanzielle Zukunft des THW?

 

Broemme: Niemand kann Wunder vollbringen. Bei meiner Amtseinführung betonte Bundesinnenminister Schäuble, dass der Haushaltsansatz für 2006 etwas angestiegen sei – eine nahezu einzigartige Ausnahme bei den Bundesbehörden. Die Mittel, die wir für 2006 zusätzlich erhalten haben, wurden von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages vorrangig für das ehrenamtliche Engagement und die Jugendarbeit eingesetzt. Auch ich sehe hierin einen Schwerpunkt im THW: Nur durch gute Ausbildung der Einsatzkräfte können wir den Erwartungen an das THW im In- und Ausland gerecht werden. Die Jugend wiederum ist wichtig für die Zukunft des THW, denn hier werden die Katastrophenschützer von morgen ausgebildet. Wir können stolz darauf sein, dass es im THW mehr Jugendgruppen als Ortsverbände gibt!

 

Wie stehen Sie zu der Möglichkeit eines Zusammenschlusses von THW und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und den damit verbundenen Spekulationen?

 

Broemme: THW und BBK sind derzeit zwei Behörden, die sich auf der Bundesebene mit dem Katastrophen- und Zivilschutz beschäftigen. Einzelne Reibungsverluste müssen abgebaut werden. Voraussetzungen sind einerseits klare Aufgabenabgrenzungen, andererseits ein vernünftiges Miteinander. Das BMI richtet jetzt eine Projektgruppe ein, um Vorschläge für die zukünftige Arbeit im Bevölkerungsschutz zu entwickeln. In der Projektgruppe sind BBK und THW durch die Präsidenten vertreten.

 

Wo sehen Sie das THW in der Zukunft und was wollen Sie dafür tun?

 

Broemme: Für die Zukunft sehe ich das THW weiterhin gemeinsam mit der Feuerwehr und den anderen Organisationen in einer Reihe stehen und an einem Strang ziehen, um einen optimalen Katastrophenschutz zu gewährleisten. Gerade die WM hat gezeigt, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Organisationen sehr erfolgreich ist. Es gibt allerdings immer Möglichkeiten, etwas Gutes noch zu steigern. Hierzu gehören weitere Allianzen für einen zukunftsfähigen Bevölkerungsschutz. In diesen Zeiten der knappen Haushaltsmittel müssen wir anstreben, Ressourcen zu bündeln und optimal aufeinander abzustimmen. Die Synergieeffekte solcher Allianzen werden die deutsche Sicherheitsarchitektur verbessern.

Mit unseren Projekten und Einsätzen im Ausland haben wir uns einen hervorragenden Ruf erworben. Den gilt es weiter zu festigen. Schließlich bezeichnete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ das THW als „Werkzeuge der Diplomatie“ und „schnelle Eingreiftruppe der Republik“.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

24.08.2006