Gespielte Katastrophe – schweres Unwetter forderte Feuerwehr und THW

Die Fachgruppen Führung/Kommunikation (FK) aus Sachsen und Thüringen und die Leipziger Feuerwehrkameraden der Technischen Einsatzleitung (TEL) übten vom 14. bis 16. August gemeinsam.

 

Ein Orkantief mit Starkregen und Sturmböen wütete seit der vergangenen Nacht über dem Großraum Pirna. Es wurden Stromausfälle, geflutete Keller und blockierte Straßen gemeldet. Am Königsstein gab es einen Erdrutsch von bisher nicht geklärten Ausmaßen. Die Lage ist unübersichtlich. Polizei und Rettungskräfte sind seit den Abendstunden im Einsatz. Dieses Szenario basiert auf einem von der FGr FK Dresden ausgearbeiteten Planspiel.

 

 

Keine einfache Lage, die Mathias Bessel, Feuerwehrkamerad aus Leipzig, und Guido Ehlert, Truppführer der Fachgruppe FK Dresden, den anwesenden FKlern auf dem Bundeswehrgelände im Norden Leipzigs präsentierten. Zumal war nur eine Stunde Zeit, die Lagemeldung in den einzelnen Fachgruppen aus Chemnitz, Dresden, Erfurt und Leipzig zu erfassen und erste Maßnahmen zu ergreifen.

 

Gerd Trommler, Führer der FK Chemnitz, nahm die Herausforderung gern an. Noch während er mit seinen Helfern die Maßnahmen besprach, kamen via Funk weitere Meldungen herein. Der THW-Ortsverband Dippoldiswalde, seit zwei Uhr nachts im Einsatz, meldete sich vom Altenpflegeheim Dippoldiswalde und erfragte weiteres Vorgehen. Ein Hubschrauber mit einem schwer verletzten Patienten konnte nicht mehr starten. Der Löschzug Glashütte unterstellte sich der Chemnitzer FK. Eine regelrechte Flut an Meldevordrucken sammelte sich auf Trommlers Tisch.

 

Auch bei den benachbarten Dresdnern kämpfte man mit der unübersichtlichen Lage. Thorsten Dräger, ebenfalls Führer der FK, forderte gerade eine Fachgruppe Logistik an, als aus dem virtuellen Szenario Realität wurde: Der Strom fiel aus. Für einen Moment verstummte das hektische Treiben und überraschte Blicke wurden getauscht. Ein zusätzliches Szenario der Übungsleitung? Ein Blick auf den Verteiler beantwortete die Frage. Der Überlastungsschutz hatte sich eingeschaltet. Nichts, was sich nicht schnell beheben ließe.

 

Mathias Bessel von der FW Leipzig stand währenddessen bereits in den Startlöchern für das erste Resümee um 11.00 Uhr. Auffallend sei der unterschiedliche Informations- und Bearbeitungsstand der vier FK-Gruppen. „Ihr habt auf die Lagen reagiert, aber habt sie nicht erkundet und strukturiert. Das Grundprinzip lautet Auftrag, Kompetenz und Verantwortung. Der Rettungshub-schrauber mit einem Patienten war eine ‚Gurkenschale’ – ein Test, ob innerhalb der Lage rational Prioritäten gesetzt werden“. Schwierigkeiten bildeten dabei vor allem die individuellen Bezeichnungen. Während die acht Feuerwehrkameraden der TEL mit Abkürzungen wie „TZ R“ und „FG WP“ kämpften, fragten sich die THWler, was eine „SEG San“ ist, und welche Technik und Personalstärke sich hinter einem Löschzug verbirgt. Ein Zeichen, wie notwendig solche Übungen und das Wissen und Verständnis füreinander ist.

 

Man kam überein, für den Nachmittag die Taktik zu ändern. Nun wurden gemeinsam Einheiten festgelegt, die im Spiel entsprechend den Lagen angefordert wurden. Die Übung lief ruhiger. Die Ergebnispräsentation um 16.00 Uhr zeigte: die Kritik wurde umgesetzt, die Einsetzer haben die Lage im Griff. Es wurden Bereitstellungsräume eingerichtet, die Lage in Einsatzabschnitte eingeteilt, zielgerichtet erkundet und angefordert, Kräfte gebündelt, Ablösungen organisiert und die Chaosphase insgesamt gering gehalten. Damit wurden die von Mathias Bessel angestrebten drei wichtigsten Lernerfolge erzielt: Mangelverwaltung der Kräfte, Strukturierung und Effizienz bei der Erfassung und Bewältigung der Lage und das vielleicht Schwierigste in einer solchen Situation: als Einsetzer „vor die Lage“ zu kommen. So hofft er, dass diese Übung als Impuls für die weitere Zusammenarbeit gelten kann. „Wichtig ist dabei der Abgleich vorhandener Materialen, Führungsansätze und Denkweisen durch ständige Diskussion miteinander – gern auch bei einem gemeinsamen Bier.“ fasste der passionierte Feuerwehrmann zusammen. Dem konnte sich Michael Vollweiler vom THW-Länderverband Sachsen, Thüringen nur anschließen. Auch er dankte allen Anwesenden für Ihre Bereitschaft und habe erste Erkenntnisse gewonnen. Man müsse auf jeden Fall dran bleiben und werde die Zusammenarbeit auch weiterhin fortsetzen. Dies dürfte angesichts des bisherigen intensiven Miteinanders kein Problem sein. Seit zehn Jahren kennen sich Bessel und Vollweiler und treffen sich regelmäßig in Arbeitskreisen, Veranstaltungen und Besprechungen auf Landesebene. Beide kommen auch an der Landesfeuerwehrschule zum Einsatz. Auch auf regionaler Ebene sind Feuerwehr und THW in Leipzig im dortigen Ausbildungsverbund bereits eng vernetzt.

 

Doch diesen abschließenden Worten folgte noch keine Ruhe. Immerhin mussten nicht nur die Führungs- und Lageanhänger aufgeräumt werden, sondern bei über 30 Grad Außentemperatur insgesamt 1,75 km Kabel aufgewickelt und neun Straßenüberbauten sowie eine Kabelbrücke abgebaut werden. Da freuten sich alle über die reichhaltige Verpflegung und eine erfrischende Dusche am Ende dieses langen Tages.

 

Am Abend überraschte dann Dr. Voß, der ständige Vertreter des Landesbeauftragten für Sachsen, Thüringen, mit seinem Besuch die Mannschaft. Trotz einer ganztägigen OB-Tagung in Erfurt ließ er es sich als ehemaliger Funker der Bundeswehr nicht nehmen, bei den FKlern vorbeizuschauen und sich über den Verlauf der Übung zu informieren.

 

Alles in allem war die Übung ein ausgezeichneter Beweis dafür, wie wichtig die stete Zusammenarbeit von THW und Feuerwehr ist, um bereits ohne Katastrophenfall „vor der Lage“ zu sein.

 

Text: Martina Geigenmüller, Team Öffentlichkeitsarbeit, THW-Länderverband Sachsen, Thüringen