Brückenbau im Weißeritzkreis

Zitat aus der SZ vom 21.11.2005

 

Brückenbau in Blau

Von Jörg Stock

 

Einsatz. Am Sonnabend zimmerten die Leute vom Technischen Hilfswerk einen Steg über die Müglitz bei Glashütte.

 

Ein saumäßiges Wetter hängt im Müglitztal. Graupel krümelt vom Himmel und Kälte beißt in die Finger. Durchs Flussbett am Glashütter Ortsausgang patschen Männer und schleppen ein wuchtiges Holzgerüst. In ihren hohen Watstiefeln sehen sie aus wie Petrijünger. Doch Zahnrad-Logo und Bundesflagge auf den blauen Kombis verraten: Hier ist das Technische Hilfswerk im Einsatz.

Lars Werthmann steht am Ufer. Der Zugführer vom just gegründeten THW-Ortsverband Dipps hat seine Mütze über die Ohren gezogen und beobachtet die Aktion. „Wir bauen heute einen so genannten China-Steg über die Müglitz“, erklärt er. Etwa fünfzehn Meter Spannweite soll die Querung haben, sich auf vier Böcke stützen.

 

Die Truppe zählt heute 40 Mann. Warum er seine Leute rausgepelzt hat? „Wir machen hier Flutprävention“, sagt Lars Werthmann. Brücken seien lebenswichtig und bei Hochwasser gefährdet. Versinken sie in den Fluten, muss schnell Ersatz her. Und das, so sagt der Zugführer, will man realitätsnah üben, also am Fluss, und nicht an irgendeinem Feuerlöschteich.

 

Nach dem Hochwasser von 2002 bauten die THWler aus Dresden Notbrücken im Weißeritzkreis. Heute sind die Kameraden aus Elbflorenz an der Müglitz dabei und zeigten den Dippsern, wie man mit Bohlen und Rundhölzern den Brückenschlag bewerkstelligt.

 

Regisseur des Unternehmens ist Thomas Köszegi, Chef der Fachgruppe Brückenbau beim Dresdner THW. Auch er steht mitten im Müglitzwasser und beäugt durchs Nivelliergerät das Werk der Blaujacken. Die Böcke, auf denen später die Laufplanken ruhen, müssen alle gleich hoch sein, erklärt er. „Mit dem Gerät hier kann ich mir die Höhe auf Millimeter genau holen.“

 

Der buckelige Flussgrund macht es den Brückenbauern nicht gerade leicht. Mit der Spitzhacke müssen sie ran und das eben aufgestellte Gerüst in Position bringen. Da spritzt das kalte Nass, und der Atem dampft. Doch schließlich steht die Stütze und wird mit dem schon fertigen Brückenteil verstrebt. Nägel brauchen die THWler dafür nicht, nur Leinen. Die halten mehr aus und sind flexibler als die Metallstifte, sagt Brücken-Experte Köszegi.

 

Während die blauen Jungs mit der Montage der Laufstege beginnen, kreischt am Ufer die Motorsäge. Hier ist schon die nächste Stütze in Arbeit. Was zu viel ist, das kappt Erik Fritzsche mit dem rabiaten Schneidwerkzeug. Der 25-Jährige ist „Spezialist“, studiert nämlich in Tharandt Forstwissenschaft. Gerade schreibt er sein Diplom und hat deshalb nicht viel Zeit. Zum THW kommt er trotzdem gerne. „Das ist ein netter Verein“, sagt er. „Kann ich nur empfehlen.“

 

Dann wirft er die Maschine an und die Späne stieben. Der Übergang muss fertig werden. Denn auf das trübe Tageslicht wird bald die Düsternis des Abends folgen.

 

Vielen Dank an alle Beteiligten

 

Michael Westphal

Ortsbeauftragter Dresden